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Kind bläst Luftballon auf

Öko-Kindergeschirr schneidet schlecht ab

Die Zeitschrift „Ökotest“ hat 16 Geschirrsets für Kinder getestet - hergestellt aus Kunststoffen oder Bambusfasern. Der Großteil hat positiv abgeschnitten. Die große Ausnahme waren überraschenderweise die Öko-Produkte – kein einziges war aus Sicht der Tester verkehrsfähig.

Test

Knallige Farben, lustige Fantasietierchen oder bekannte Figuren wie die Raupe Nimmersatt schmücken die Geschirrsets, die den kleinsten in unserer Gesellschaft Tischmanieren näher bringen sollen. Die sind vorzugsweise aus Kunststoff gefertigt und unterliegen deswegen strengen Regelungen für chemische Inhaltsstoffe.

Herkömmliche Ware am besten

Ein Großteil der gängigen Geschirrsets wird aus dem Kunstharz Melamin oder Polypropylen hergestellt, grundsätzlich unbedenkliche Kunststoffe. Polypropylen ist bis zu einhundert Grad Celsius beständig, Melamin zumindest bis 70 Grad - wird es wärmer kann das Kunstharz Formaldehyd absondern und dieser Stoff gilt als krebserregend.

Doch alle Geschirrsets aus Kunststoff haben die Untersuchungen von Ökotest mit der Note "sehr gut" bestanden, sagt Kai Thomas von "Ökotest": "Auf dieser herkömmlichen Ware steht drauf, dass sie aus Melamin oder Polypropylen gefertigt ist und die hat auch alle gesetzlichen Grenzwerte für Melamin und Formaldehyd eingehalten."

Fragwürdige Öko-Alternative

Viele Eltern wollen ihren Kindern jedoch kein Plastik-Geschirr vorsetzen und setzen auf eine Alternative: Teller und Schüsseln, die laut Angaben der Hersteller aus Bambusfasern und Maisstärke hergestellt werden. Auf den Verpackungen ist fast immer von nachhaltiger Produktion die Rede, zudem soll das Geschirr biologisch abbaubar sein.

Doch das sei Etikettenschwindel, argumentiert "Ökotest": In vier der fünf getesteten Produkte aus Bambusfaser konnte Melamin nachgewiesen werden. Das heißt: Bambus und Maisstärke waren nicht die einzigen Inhaltsstoffe. Auf der Verpackung ist keine Rede von diesen Inhaltsstoffen - um Ökoprodukte handelt es sich also offensichtlich nicht. Das Urteil der Tester: Verbrauchertäuschung.

Ein Produkt war gesundheitsschädlich

Das 5. Öko-Produkt - ebenfalls als kunststofffrei deklariert - war sogar potentiell gesundheitsschädlich. Zwar konnten die Tester das Kunstharz nicht genau definieren, beim Erhitzen ist es jedoch zu einer verräterischen chemischen Reaktion gekommen.

"Da hat sich Formaldehyd abgesondert, in einer Menge, die über dem gesetzlichen Grenzwert für Bedarfsgegenstände mit Lebensmittelkontakt liegt", erläutert der Testleiter Kai Thomas. Dieses Produkt sei demnach nicht verkehrsfähig.

Empfehlung: Polypropylen

Das Endergebnis: Die fünf Bambusfaser-Sets wurden wegen Verbrauchertäuschung alle mit ungenügend benotet. Die elf Kunststoff-Sets haben die Bestnote "Sehr gut" erhalten und sind uneingeschränkt empfehlenswert.

Uneingeschränkt empfehlen kann Kai Thomas Produkte aus Polypropylen, weil sich bei denen auch bei Temperaturen über 70 Grad keine gesundheitsgefährdenden Stoffe herauslösen können. "Die Produkte aus Melamin haben ebenfalls sehr gut abgeschnitten, die sollte man nur nicht in der Mikrowelle verwenden oder mit kochendheißem Essen befüllen", sagt der Tester. Die Kunststoff-Sets haben übrigens auch einen finanziellen Vorteil: Sie sind wesentlich günstiger, als das vermeintliche Bio-Geschirr.

Stellungnahme von Biobu

Die Firma Biobu hat mit einer Stellungnahme auf unsere Berichterstattung reagiert: Seit März 2015 werde auf allen Verpackungen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Bambusfasern im Geschirr mit einem "100% lebensmittelechten Melamin-Bindemittel optimiert" werden. Leider könne man jedoch nicht ausschließen, dass andere Anbieter Biobu-Produkte mit veralteten Materialangaben angeboten haben bzw. weiterhin anbieten.

Das Produkt von Biobu hatte die Zeitschrift "Ökotest" mit "ungenügend" beurteit, weil das Geschirr Melamin enthalten hatte, das auf der Verpackung aber nicht angegeben war. Sonst hatten die Tester keine Mängel festgestellt.

13.02.2016