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Monteur eines Schlüsseldienstes öffnet eine verschlossene Tür

Schlüsseldienst: Googeln kann teuer kommen

Nach einem Einbruchversuch ist das Schloss ruiniert oder man sperrt sich aus: Beides Notsituationen - unseriöse Schlüsseldienste nutzen diese schamlos aus. Im Internet locken sie mit Schnäppchenpreisen und Service rund um die Uhr – doch wer die 0800er Nummer wählt, wird kräftig zur Kasse gebeten. Wie im Fall einer Wienerin, der 1.200 Euro in Rechnung gestellt wurden.

Wirtschaft

Waren es früher Pickerl und Plakate im Hauseingang, setzen die überteuerten Aufsperrdienste heute auf das Internet. Mit Tricks sichern sie sich die obersten Plätze im Google-Suchergebnis, um vom Kunden leicht gefunden zu werden. Das Beauftragen eines solchen Aufsperrdienstes kann dann richtig teuer werden.

Als die 78-jährige Wienerin einige Tage nach Weihnachten an einem Sonntag nach Hause kam, entdeckte sie an ihrer Wohnungstür Einbruchsspuren. Zwar wurden die Täter offenbar gestört und gelangten nicht in die Wohnung hinein, die Tür war allerdings beschädigt. Das Schloss war ruiniert und musste ausgetauscht werden.

Website versprach "Schlösser ab neun Euro"

Da die ältere Dame keine Nummer eines Schlüsseldienstes zur Hand hatte, wandte sie sich an eine Nachbarin. "Ich nehme an, sie hat gegoogelt und hat mir dann eine 0800er-Nummer rausgesucht," so die 78-Jährige. Die Nachbarin wählte die Gratis-Servicenummer und beauftragte den Schlüsseldienst.

Schließlich warb dieser auf seiner Website "schluesseldienst-24h.at" mit kostengünstigen Lösungen auch am Wochenende. "Von Architekten empfohlen" und "Schlösser ab neun Euro" war auf der Website zu lesen. Auch vermeintliche Kundenbewertungen, sowie Links zu Sozialen Netzwerken werden auf der Website angeführt. Bei Klick auf die angeblichen Links stellt sich aber heraus, dass diese garnicht existieren.

Screenshot der dubiosen Website schluesseldienst-24h.at
Die Website lockt mit Schnäppchenpreisen

Monteur stellte 1.200 Euro in Rechnung

Nach einer halben Stunde Wartezeit kam der gerufene Aufsperrdienst, ein Mitarbeiter baute binnen einer Stunde ein provisorisches Ersatzschloss ein und empfahl desweiteren die Bestellung eines Sicherheitsschlosses. Die alte Dame stimmte zu, schließlich saß ihr der Schreck des Einbruchsversuchs noch in den Gliedern, und bestellte.

Am Ende legte der Monteur die Rechnung vor: 1.200 Euro musste die Wienerin bezahlen, was sie zwar tat, nicht aber ohne misstrauisch zu werden. "Das ganze lief irgendwie merkwürdig, nicht so wie mans gewohnt ist, er wollte keinen Namen sagen und auch sonst war es merkwürdig. Ich war voll Misstrauen," so die 78-Jährige.

Versicherung übernahm nur Teil der Kosten

Aus gutem Grund, wie sich herausstellte. Als die Frau die Rechnung - ausgestellt von einer Firma Richter - ihrer Haushaltsversicherung vorlegte, wollte diese nicht alles zahlen: Der Betrag sei überhöht, so die Begründung. Die Kundin blieb auf einem Selbstbehalt von 400 Euro sitzen.

"Ich habe dann versucht Kontakt aufzunehmen mit der Innung und mich zu beklagen über die Firma. Dort habe ich erfahren, dass das ein Innungsmitglied ist und dass man da nichts machen kann," so die Wienerin. Auch help.ORF.at hat bei der Wiener Landesinnung für Metalltechnik, die für Aufsperrdienste zuständig ist, nachgefragt. Dort sind die Schlüsseldienst-Abkassierer und vor allem die Firma Richter mit ihrer dubiosen 0800er-Nummer keine Unbekannten.

Täglich Beschwerden von abkassierten Kunden

Täglich bekomme man Anrufe von verärgerten Kunden, die zu hohe Preise bezahlt hätten. Doch rechtlich könne man nichts gegen diese schwarzen Schafe unternehmen, so die Innung. Denn die Firma Richter ist offenbar Teil eines aus Deutschland gesteuerten Netzwerks. In mehreren Ländern wird nach derselben Masche abkassiert. Die Hintermänner auszuforschen ist schwierig. Die Namen der Aufsperrdienste wechseln ständig, genauso wie die Nummern der Notruf-Hotlines.

Auch dem Magistrat (MA), zuständig für Gewerbeberechtigungen, seien die Hände gebunden, so Oliver Birbaumer, Leiter des magistratischen Bezirksamtes im 9. und 20. Bezirk, gegenüber help.ORF.at. Überhöhte Preise alleine seien kein Grund die Gewerbeberechtigung zu entziehen. Erst wenn jemand wegen eines Delikts rechtskräftig von einem Gericht verurteilt wurde, könne die Gewerbebehörde tätig werden.

Warnung vor Notdiensten aus dem Internet

Help.ORF.at hat versucht, die Firma Richter direkt zu kontaktieren, um sich nach Details der 1.200 Euro Rechnung zu erkundigen. Bei der 0800er-Hotline wollte man jedoch keine Telefonnummer der Firma herausgeben – aus Datenschutzgründen, wie es hieß. Sonderbar für einen Schlüsseldienst, der von sich sagt, dass er 24 Stunden erreichbar ist. Stattdessen wurde ein Rückruf angeboten - den die Redaktion allerdings nie erhalten hat.

Auch beim Verein für Konsumentenschutz stapeln sich die Beschwerden zu überteuerten Aufsperrdiensten. "Leider haben wir immer wieder Beschwerden zu verschiedenen Schlüsseldiensten. Konsumenten, die sich ausgesperrt haben oder einen Einbruchsversuch hatten, rufen in ihrer Verzweiflung die erstbeste Nummer an und dann kommt das böse Erwachen oft mit sehr, sehr hohen Rechnungen," so VKI-Juristin Maria Ecker gegenüber help.ORF.at.

Tipp: Vorab Schlüsseldienst im Handy speichern

Ecker empfiehlt, auch in Notsituationen kühlen Kopf zu bewahren und den Schlüsseldienst genau auszuwählen. Schon vor Beauftragung sollte am Telefon geklärt werden, was Anfahrt, Wegzeit, Feiertagszuschlag und Arbeitsstunde genau kosten. Dabei sollten durchaus die Preise mehrere Schlüsseldienste miteinander verglichen werden, damit es später zu keinen bösen Überraschungen komme.

Noch besser sei es, schon im Vorhinein den Schlüsseldienst seines Vertrauens auszuwählen und die Nummer im Handy zu speichern. Auskunft zu seriösen Firmen gibt die Innung des jeweiligen Bundeslandes. Wiener finden auf der Website KEO.at (Kuratorium für Einbruchschutz und Objektsicherung) alle Firmen, die laut Innung nachweislich seriös arbeiten. Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer haben zudem die Preise von Nottüröffnungen bei verschiedenen Schlüsseldienste verglichen und bieten so einen ersten Überblick, was die Monteure durchschnittlich verlangen.

Beate Macura, help.ORF.at

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19.03.2016