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Kind arbeitet auf einer Kakaoplantage

Verbotene Pestizide und Kinderarbeit in Schokolade

Etliche Schokoladeprodukte enthalten Pestizide, die in der EU verboten sind, wie ein Test von Global 2000 und der Menschenrechtsorganisation Südwind ergeben hat. Die Organisationen testeten mehr als 40 Schokoladehasen und -tafeln auch auf ökologische und soziale Qualität. Bei Besuchen in Kakaoanbauländern stellten sie Kinderarbeit fest.

Produktion

Insgesamt 20 Schokoladehasen und 21 Schokoladen verschiedener Eigenmarken wurden getestet. Nur die beiden Testsieger, der Hase von EZA und die Schokolade der Spar-Eigenmarke Natur pur, waren laut den Testern tatsächlich fair und bio.

Rückstände verbotener Spritzmittel

In 24 Schokoladeprodukten fanden die Tester Rückstände von Pestiziden, manchmal sogar vier verschiedene Substanzen in einem Produkt. In der Kakaoproduktion würden nach wie vor Pestizide eingesetzt, die in der EU wegen ihrer Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt längst verboten sind, sagt Martin Wildenberg von Global 2000.

In der Elfenbeinküste, Ghana und Indonesien - wo mehr als die Hälfte der Kakaobohnen weltweit angebaut werden - würden diese Pestizide offensichtlich massiv eingesetzt. "Das hat enorm negative Folgen für die Gesundheit der Kakaobauern und die Umwelt", so Wildenberg weiter.

Kakaobäuerin mit einer Kakaoschote
Viele Kakaobäuerinnen verdienen weniger als einen Euro am Tag

Für die Konsumenten würden die festgestellten Mengen kein direktes Gesundheitsrisiko bergen. Einige der Chemikalien seien aber hormonell wirksam, so Hans-Peter Hutter, Sprecher der NGO ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt. Es sei ratsam, selbst die Aufnahme geringer Mengen von Pestiziden zu vermeiden. "Schließlich nimmt man Pestizide ohnehin über viele Lebensmittel zu sich", sagt Hutter.

Kinder in Kakaoplantagen

Nicht nur die problematischen Inhaltsstoffe, auch die Tatsache, dass viele Hersteller nicht nachweisen können, dass auf den Kakaoplantagen faire Arbeitsbedingungen herrschen, stößt den NGOs sauer auf. In Kakaoanbauländern wie Ghana, Kamerun und der Elfenbeinküste würden die Bauern täglich zwischen 50 und 80 Cent verdienen, so Caroline Sommeregger von Südwind, die sich bei einem Besuch von Kakaobauern in Ghana und Kamerun ein Bild von der Lage machte.

Insgesamt arbeiteten in der Region mehr als zwei Millionen Kinder auf den Kakaoplantagen. Der Gewinn für die Bauern sei so gering, dass sie keine Landarbeiter bezahlen könnten, sagt Sommeregger. Deshalb müssten die eigenen oder fremde Kinder die anstrengende und gefährliche Arbeit erledigen. "Um Kinderarbeit auszuschließen und ein faires Einkommen für die Bauern sicherzustellen, sollten Konsumenten beim Kauf ihrer Schokolade auf das Fairtrade-Siegel achten", so Sommeregger weiter.

Qualität keine Preisfrage

Dabei habe der Test gezeigt, dass sich Qualität nicht notwendigerweise auch im Preis widerspiegelt, so Wildenberg. So wurden manche teure Premiumprodukte – wie die Schokohasen von Milka, Lindt, Merci und Ferrero Rocher – als sozial und ökologisch bedenklich beurteilt.

Testsieger Schokoladen-Check
Die Testsieger tragen verschiedene Gütesiegel

Günstige Produkte wie die Vollmilchschokolade der Lidl-Eigenmarken Fin Carre und Fairglobe sowie die Heumilchschokolade von Ja! Natürlich konnten hingegen soziale und ökologische Mindeststandards nachvollziehbar einhalten. Die Tester raten beim Kauf von Schokolade auf unabhängige Gütesiegel wie Fairtrade, UTZ und auf das EU-Bio-Gütesiegel zu achten, um sicherzustellen, dass die Schokolade frei von Pestiziden und Ausbeutung ist.

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23.03.2016