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Mängel bei Lebensversicherungen: Rücktritt möglich

Millionen Konsumenten, die eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, sind mangelhaft über ihr Rücktrittsrecht informiert worden. Das stellte der Verein für Konsumenteninformation (VKI) fest. Laut Oberstem Gerichtshof (OGH) steht Betroffenen ein unbefristetes Rücktrittsrecht zu. Der VKI startet deshalb eine Sammelaktion.

Geld

Normalerweise beträgt die Rücktrittsfrist bei Lebensversicherungen höchstens 30 Tage, doch eine fehlerhafte Rücktrittsbelehrung sei so zu behandeln, als hätte gar keine Belehrung stattgefunden, so Ulrike Wolf, VKI-Juristin, gegenüber help.ORF.at. Betroffene könnten demnach jederzeit von ihrem Vertrag zurücktreten. Bei einer Rückabwicklung müssten die Kunden alle eingezahlten Beträge inklusive Abschluss- und Verwaltungskosten sowie Zinsen von den Versicherungsunternehmen zurückerhalten, so Wolf.

Verträge ab 1994 betroffen

Bei rund der Hälfte der 300 Verträge, die der VKI bereits geprüft habe, seien Mängel bei der Rücktrittsbelehrung festgestellt worden. Gegen einen Kostenbeitrag von 95 Euro können nun alle, die nach dem ersten Jänner 1994 eine Lebensversicherung abgeschlossen haben und deren Wohnsitz zu diesem Zeitpunkt in Österreich lag, ihre Polizzen beim VKI prüfen lassen. Das betrifft auch bereits abgelaufene Verträge. Der VKI geht davon aus, dass die Zahl der Betroffenen "in den Millionenbereich" geht.

In einer Stellungnahme gegenüber help.ORF.at spricht der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) von Einzelfällen, die von den Mitgliedsunternehmen einer eingehenden Prüfung unterzogen würden. Den Kunden empfiehlt der Verband, "die Situation gut zu prüfen und nicht voreilig zu handeln".

Rücktritt kann Verluste eindämmen

Bei Produkten der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge können die Versicherungsnehmer normalerweise in den ersten zehn Jahren nicht kündigen. "Hier gibt es die Chance, doch früher aus dem Vertrag zu kommen", so Wolf.

Die Sammelaktion richtet sich aber in erster Linie an Inhaber von fondsgebundenen Lebensversicherungen, die häufig als Tilgungsträger für Fremdwährungskredite eingesetzt wurden. "Wenn eine fondsgebundene Lebensversicherung stark an Wert verloren hat, können sich die Verluste bei einem Rücktritt massiv reduzieren", sagt Wolf. Es komme darauf an, wie sich die jeweiligen Fonds entwickelt haben. Bei guter Performance könne auch eine Kündigung Sinn machen.

In den Fällen, in denen ein Rücktritt vom Versicherungsvertrag sinnvoll ist, werde man versuchen sich mit den Versicherungen außergerichtlich zu einigen. "Wenn das nicht funktioniert, werden wir eine Sammelklage anstrengen", so die VKI-Juristin.

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30.03.2016