Standort: help.ORF.at / Meldung: "Fitnessstudio: Vom Gutschein zum Jahresvertrag "

Zwei Sportler im Fitnessstudio auf Trainingsgeräten

Fitnessstudio: Vom Gutschein zum Jahresvertrag

Wie aus einem unverbindlichen Gratistraining ein verbindlicher Zweijahresvertrag werden kann, bekommen Kundinnen des Fitnessclubs "Lifestyle Ladies" häufig am eigenen, figurbewussten Leib zu spüren. Wer vorschnell einen Vertrag abschließt, kommt auch bei gesundheitlichen Problemen nur schwer wieder heraus.

Vertrag

Zittern bis zur Traumfigur: Das verspricht die Trainingsmethode "Power Plate", die auch in den Fitnessstudios von "Lifestyle Ladies" angeboten wird. Übungen auf vibrierenden Platten sollen Kilos schmelzen lassen.

Sendungshinweis

"Help", das Ö1-Konsumenten- magazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Österreich 1

Geködert würden die Kundinnen meistens mit gratis Gutscheinen, die auf der Straße verteilt werden, sagt Irene Randa, Juristin beim Verein für Konsumenten-information (VKI). Beim Gratistrainig würde den Kundinnen gesagt, dass lediglich ein paar Daten für die Datei aufgenommen würden.

Knappes Verkaufsgespräch – schnelle Unterschrift

Nach einem recht zügigen Verkaufsgespräch würde bereits eine Unterschrift verlangt, berichten Konsumentinnen. In dem vorgelegten Formular stehe zwar eindeutig, dass es sich um einen bindenden Vertrag handelt, so Randa, viele Konsumentinnen würden den aber nicht lesen. "Sie vertrauen auf das, was man ihnen gesagt hat und unterzeichnen", so die VKI-Juristin.

Bei jeder Interessentin werde vor einem Probetraining eine ausführliche Bedarfsanalyse durchgeführt, schreibt "Lifestyle Ladies" in einer Stellungnahme an die "Help"-Redaktion. Auf einem Gesundheitsblatt würden Name, Adresse, Alter und Kontaktdaten erfasst. Dadurch entstünden für die Interessentinnen jedoch keine Verpflichtungen jedweder Art.

Ein Vertrag werde erst nach dem Probetraining abgeschlossen. Dass dieser verbindlich sei, ist aus Sicht des Unternehmens klar ersichtlich. "Insbesondere bei Bekanntgabe der Bankverbindung und der Ermächtigung zum Lastschrifteinzug muss die Entgeltlichkeit bewusst sein", so die Fitnessstudiokette.

Power Plate nicht für alle geeignet

Power Plate Training ist laut Sportwissenschaftlern keinesfalls wirkungslos. Auf die Vibration der Platten reagiert der Körper mit Fettabbau und Muskelaufbau. Die Methode ist aber nicht für alle Menschen geeignet. Bei manchen Kundinnen führt das Training zu Schmerzen. So auch bei einer Wienerin, die sich an die "Help"-Redaktion wandte. Den Vertrag vorzeitig zu kündigen, kann problematisch werden, denn die Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von zwölf oder 24 Monaten. Ein Rücktrittsrecht, wie etwa bei Haustürgeschäften, gebe es in so einem Fall nicht, so VKI-Juristin Randa.

Kein Recht auf vorzeitigen Vertragsrücktritt

Das Unternehmen ist somit im Recht, wenn es auf die Einhaltung der Vereinbarung besteht. Selbst wenn die Übungen zu Beschwerden führen sollten, sind die Kundinnen auf Kulanz angewiesen. "Man kann versuchen ein ärztliches Attest zu bringen. Allerdings unterzeichnen die Kundinnen auch, dass sie die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen", so Randa.

Im Fall der Wienerin, die wegen ihrer Schmerzen den Fitnessvertrag lösen wollte, zeigte sich Lifestyle Ladies kulant. Grundsätzlich sollte man sich aber im Klaren sein, dass ein Ein- oder Zweijährigesvertrag erst nach frühestens zwölf Monaten gekündigt werden kann. Bei Zweijahresverträgen könne ein Unternehmen auf die Zahlung über die gesamte Laufzeit bestehen, so Randa. So steht es auch in einem Urteil des Obersten Gerichtshofs. Daher sollte ein Fitnessvertrag nur nach reiflicher Überlegung und nach Absprache mit einem Arzt unterzeichnet werden.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

Mehr zum Thema:

16.04.2016