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Zu sehen ist eine Tastatur eines Computers.

Windows 10: Deaktivierte Dienste bleiben aktiv

Bis zum 29. Juli ist Windows 10 noch als Gratis-Upgrade erhältlich. Manche Anwender stehen der neuen Version des Microsoft-Betriebssystems aber kritisch gegenüber. Windows 10 sendet wesentlich mehr persönliche Nutzerdaten an den Mutterkonzern, als die Vorgängerversionen. Doch selbst wenn die Datendienste deaktiviert wurden, laufen sie im Hintergrund weiter. Das zeigt der Praxistest eines IT-Experten für help.ORF.at.

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Um zeitgemäße interaktive Dienste nutzen zu können, kommt man heutzutage an einer gewissen Freizügigkeit im Umgang mit persönlichen Daten kaum vorbei. Wer Cloud-Dienste verwendet, wird seine Dateien meist einem fremden Server anvertrauen. Wer das Smart-phone oder den PC mittels Stimmaktivierung steuern möchte, muss zwangsläufig zulassen, dass das Gerät seinen Besitzer belauscht.

Praxistest: Deaktivieren wirkungslos

Auch Microsofts jüngstes Betriebssystem Windows 10 wurde diesen Erfordernissen angepasst. Windows 10 sendet eine erheblich größere Datenmenge an Microsoft, als das Anwender früherer Versionen gewohnt sind. Um das Sendebedürfnis etwas einzuschränken, muss man schon während der Installation einige bedeutende Entscheidungen treffen und selbstständig diverse Spionagefunktionen deaktivieren.

Help.ORF.at bat einen IT-Experten, das System so aufzusetzen, dass möglichst wenige Daten an den Konzern gesendet werden. Er möchte aus beruflichen Gründen nicht namentlich genannt werden. "Obwohl bei der Installation die meisten Funktionen deaktiviert wurden, laufen die entsprechenden Dienste im Hintergrund weiter. Sie sind zwar für den Nutzer quasi unsichtbar, aber weiterhin aktiv", so das Fazit.

Microsoft: Daten gehen nicht an Konzern

Die Ergebnisse des Tests, also welche Dienste trotz Deaktivierung weiterhin im Hintergrund laufen, liegen help.ORF.at im Detail vor. In dem Bericht heißt es: "Laut Aussage von Microsoft werden diese Dienste zwar nicht deaktiviert, aber sie senden keine Daten mehr. Dies kann man jetzt glauben oder nicht. Eine Überprüfung ist schwierig, da die übermittelten Daten verschlüsselt sind und somit nicht nachvollzogen werden kann, ob und welche Daten an Microsoft gesendet werden."

Auf Nachfrage bestreitet Microsoft, dass die Daten deaktivierter Dienste an den Konzern gesendet werden. "Windows folgt den Einstellung des Benutzers. Wenn der Benutzer das Service nicht nutzt, dann werden auch keine Daten übertragen", heißt es in ener Stellungnahme. Aber selbst wenn keine Daten gesendet werden – der Bericht des IT-Experten zeigt, dass die Dienste, über die eine Übertragung möglich wäre, weiterhin aktiv sind.

Updates via Peer-to-Peer entlasten Microsoft-Server

Als besonders bedenklich beurteilt der Profi die sogenannte Peer-to-Peer-Funktion. "Obwohl explizit ausgewählt wurde, diese Funktion nicht zu nutzen, ist die Peer-to-Peer Funktion voll aktiviert. Das bedeutet nichts anderes, als dass Microsoft seine Update-Server entlastet, indem die Bandbreite der Benutzer verwendet wird."

Updates, die man bereits geladen habe, würden anderen Windows-Nutzern über die eigene Internetverbindung zur Verfügung gestellt. Bei einer Flatrate könne das Internet verlangsamt werden, ein monatlich kontingentierte Datenvolumen würde wenn man Updates für andere zur Verfügung stellt, schnell aufgebraucht.

Wer sicher gehen möchte, dass Spionagedienste bei Windows 10 tatsächlich deaktiviert werden, der muss zu externer Hilfe greifen. Die meisten Experten raten zu dem kostenlosen Programm "Shut Up 10" von O&O Software. Damit können die Sicherheitseinstellungen gezielt justiert werden. Auch nach der Installation. So können sie sicherstellen, dass garantiert alle unerwünschten Datendienste auch wirklich abgeschaltet sind.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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14.05.2016