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OneCoin-Logo goldglänzende Münze

OneCoin: Abzocke mit virtuellem Geld?

Die virtuelle Währung Bitcoins hat sich einen Namen als staatenunabhängiges, anonymes, universelles Zahlungsmittel gemacht. Auch die Firma OneCoin behauptet eine solche Internetwährung zu sein - doch kaufen kann man damit nichts. Arbeiterkammer und Verein für Konsumenteninformation warnen vor einem gefährlichen Schneeballsystem.

Wirtschaft

Bei immer mehr Firmen im Internet können Bitcoins bezahlen. Die seit 2009 erhältliche größte digitale Währung der Welt wurde aus gemeinschaftlichem Interesse entwickelt, eine Firma, die Profite einstreift, steht nicht dahinter.

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Ganz anders verhalte es sich bei OneCoin, so Bernd Lausecker, Finanzexperte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), gegenüber help.ORF.at: „Bei OneCoin gibt es eine Firma, die fleißig Anrechte um solche Münzen verkauft, und damit ganz eindeutig ein wirtschaftliches Interesse verfolgt.“

Geschäftsmodell erinnert an Pyramidensystem

Vertrieben werden die sogenannten OneCoins mittels Network Marketing, das den Finanzexperten hier stark an ein Pyramidensystem erinnert. Je mehr zahlende Kunden man ins System bringe, desto besser verdiene man.

Auf der Website wird ein Investment in OneCoin als günstige Gelegenhet beworben
Die Website will mit Businesslook punkten

Im Gegensatz zu Bitcoins, stellen OneCoins ein geschlossenes System dar. Sie können weder gehandelt, noch mit anderen virtuellen Währungen getauscht werden. Den Wert der Münzen legt das Unternehmen selbst fest. Onlineshops, bei denen man mit OneCoins zahlen könne, seien noch keine bekannt, so Lausecker. Unklar ist auch, ob es in Zukunft überhaupt Händler geben wird, welche die selbstkreierte Währung der Firma OneCoin annehmen wird.

Hohe Prämien für OneCoin-Manager

Bei öffentlichen Veranstaltungen macht die Firma daraus auch garkeinen Hehl. Beim ersten OneCoin-Meeting in der Schweiz Ende April diesen Jahres, mit fast 400 Teilnehmern, protokollierte ein Journalist der Neuen Zürcher Zeitung folgenden Satz eines Vortragenden: „Ob der OneCoin überhaupt je auf den Markt kommen wird, ist mir egal. Ich verdiene alleine übers Networken 10.000 bis 20.000 Franken pro Woche.“ Als die Zuschauer ihn daraufhin kritisch beäugten, setzte er noch rasch einen Satz nach: „Also, ich bin natürlich überzeugt, dass der OneCoin kommen wird.“

Screenshot der verschiedenen Produktpakete von OneCoin
Die OneCoin-Pakete kosten bis zu 27.500 Euro und werden als lukratives Investment beworben

In kleinerem Ausmaß veranstaltet OneCoin auch in ganz Österreich derartige Treffen, um neue Kunden anzuwerben. VKI-Finanzexperte Lausecker sieht diese Veranstaltungen kritisch: „Sie verfolgen dort einen ganz klares Ziel: Sie wollen Leute werben, die in OneCoin investieren. Da muss man sehr kritisch bleiben. Die Leute sind geschult, das äußerst positiv auszudrücken, auch wenn sie meist nur in der Möglichkeitsform der Zukunft sprechen.“

Verkäufer entlocken Kunden Investments

Registriert ist das Unternehmen seit 2009 in Gibraltar. Der offizielle Firmensitz befindet sich im bulgarischen Sofia. Anfang April hat die Arbeiterkammer Steiermark offiziell vor OneCoin gewarnt. Seitdem ist die österreichische Website des Unternehmens offline. Als offizieller Grund werden Wartungsarbeiten abgegeben.

Auf der internationalen Internetseite geht das Bewerben der Produkte aber weiter, so Lausecker: „Dort wird das Anrecht verkauft, eine gewisse Anzahl an Münzen herzustellen. Hier gibt es Pakete, die bis zu 13.000 Euro Investitionsvolumen kosten.“ Für jedes verkaufte Paket erhalten die Vermittler Prämien.

VKI warnt vor Einstieg bei OneCoin

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen weltweit bisher 1,3 Millionen Kunden. In Österreich sind dem VKI bis dato keine Geschädigten bekannt. Dies könne laut dem Finanzexperten daran liegen, dass das System noch im Aufbau sei: „Diese Systeme haben den Nachteil, je später man einsteigt, desto eher findet man keine Nachfolger, fällt man auf die Nase, und das Geld ist weg. Dann ist es zu spät. Besser ist es, überhaupt nicht einzusteigen“, so Lausecker.

Jonathan Scheucher, help.ORF.at

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04.06.2016