Standort: help.ORF.at / Meldung: "Rückflugdilemma: Einmal geflogen, viermal gezahlt"

Passagiere mit Gepäck am Flughafen Wien Schwechat

Rückflugdilemma: Einmal geflogen, viermal gezahlt

Eine Schulreise nach Straßburg wird einem niederösterreichischen Gymnasiasten wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Weil er den Hinflug nicht antritt, verfällt sein Rückflug nach Wien. Schlussendlich zahlt seine Mutter vier Flüge, obwohl ihr Sohn nur einmal im Flieger sitzt. Das Problem: unerlaubtes "Cross Ticketing".

Reise

Sendungshinweis:

"Help", das Ö1-Konsumentenmagazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Österreich 1

Das verlängerte Pfingstwochenende will eine Familie aus Niederösterreich mit Freunden in der Schweiz verbringen. Schon Anfang des Jahres werden die Flüge von Wien nach Zürich und zurück gebucht.

Einige Wochen später erfährt der Sohn, dass kurz nach Pfingsten eine Schulreise nach Straßburg geplant ist. Der Abflugtag der Schulreise fällt auf den letzten freien Tag des verlängerten Pfingstwochenendes und überschneidet sich mit dem Ankunftstag aus dem Familienurlaub.

Anreise per Zug, Flug verfällt

Schließlich entscheidet die Mutter in Absprache mit der Lehrerin, dass ihr Sohn den Zug von Zürich nach Straßburg nehmen und nach dem Aufenthalt in Straßburg gemeinsam mit seinen Klassenkameraden die Rückreise, einen Flug von Luxemburg nach Wien, antreten wird.

Flughafen Wien 2015: Eine Maschine der Airline Luxair hebt ab.
Als die Luxair-Maschine in Wien abhebt, ist ein Schüler nicht an Bord

Also bucht die Lehrerin die Hin- und Rückflüge für ihre Schüler, um je 200 Euro. Als die Gruppe nach einer Woche den Rückflug antreten will, gibt es eine böse Überraschung am Check-in. Das Rückflugticket des Schülers, der aus Zürich zur Gruppe gestoßen war, ist ungültig. Das liege daran, dass er den Hinflug nicht angetreten habe, erklärt man der Lehrerin.

Vier Tickets um mehr als 600 Euro

Ihr sei nichts anderes übriggeblieben, als ein neues Ticket für ihren Schüler zu kaufen, schreibt die Lehrerin an help.ORF.at. Das Absurde daran: Man habe ihr geraten, wieder ein Hin- und Rückflugticket Luxemburg - Wien - Luxemburg zu kaufen, denn das kostete um 120 Euro weniger als der Direktflug von Luxemburg nach Wien. Auf ihren Einwand, dass Alexander nur einen Flug nutzen würde, habe man ihr gesagt, dass der Rückflug eben verfallen würde.

Die Mutter des Jugendlichen ärgert es, dass sie schlussendlich vier Flüge um mehr als 600 Euro zahlen musste. Schließlich habe die Airline beim Hinflug einen leeren Sitzplatz transportiert, kein Gepäck einchecken und Essen ausgeben müssen. "Vielleicht haben sie sogar jemand anderen transportiert, weil der Flug überbucht war und dessen Geld genommen und jetzt darf mein Sohn nicht zurückfliegen. Wir haben doch dafür bezahlt", so die Mutter.

Ausnutzen des Tarifsystems verboten

Barbara Forster, Reiserechtsexpertin am Europäischen Verbraucherzentrum, kann den Ärger nachvollziehen und spricht von einem bitteren Fall. Grundsätzlich gehe es hier um die Tarifstrukturen von Fluglinien. Oft seien Hin- und Rückflüge günstiger als One-Way-Tickets. Bei Spezialtarifen seien sogar manchmal zwei Hin- und Rückflugkombinationen, bei der man jeweils nur einen Flug nutzt, günstiger, als die beiden tatsächlich gebrauchten Flüge hin und zurück zu buchen. So mancher Fluggast nutzt das ganz bewusst aus. Im Fachjargon nennt man dieses verbotene vorsätzliche Ausnutzen des Tarifsystems Cross Ticketing.

Cross Ticketing: Flug verfallen lassen mit Vorsatz

Forster nennt das Beispiel einer Frau, die von Frankreich nach Russland fliegen wollte. Weil Hin- und Rückflug Russland - Frankreich - Russland günstiger war, als one way nach Russland zu fliegen, buchte sie zwei statt eines Fluges. In diesem Fall sei aber schon zum Zeitpunkt der Buchung klar gewesen, dass die Frau den Hinflug vorsätzlich verfallen lassen wollte, denn sie hatte für den Zeitraum des vermeintlichen Abflugs kein Visum für Russland.

In ihren Beförderungsbedingungen halten Fluglinien fest, dass man die Flüge in der gebuchten Reihenfolge abfliegen muss. "Wenn das wer ausnutzt, kann man nicht von einer gröblich benachteiligten Klausel sprechen", so Forster. Der Rückflug dürfe zwar nicht gestrichen werden, die Aufzahlung auf den One-Way-Ticketpreis vom Tag der Buchung dürfe aber schon verrechnet werden.

Konsumentenfreundliches Urteil in Österreich

Was passiert, wenn man den Hinflug unverschuldet verpasst, ist in der EU nicht einheitlich geregelt, wobei das auch Thema bei den Verhandlungen über eine Novelle der Fluggastrechte ist.

In Österreich hat der Oberste Gerichtshof (OGH) im Dezember 2012 gegen die Austrian Airlines ein sehr konsumentenfreundliches Urteil gesprochen, indem es heißt, dass kein bewusstes Ausnutzen der Tarifstruktur vorliegt, wenn Kunden sich "wegen einer Änderung ihrer Reisepläne anders entschließen" und den Hinflug nicht antreten. "Der OGH sagt also, dass ich nicht vom Rückflug gestrichen und mir auch kein Aufpreis verrechnet werden darf", so die Reiserechtsexpertin.

Doch solche Urteile gibt es nicht überall. Im Fall des Schülers aus Niederösterreich geht es um Luxair, eine Fluglinie aus Luxemburg, für die luxemburgisches Recht zur Anwendung kommt. Das OGH-Urteil ist für Luxair nicht bindend. Trotzdem rät Forster der Mutter des Schülers, es zu versuchen und gegenüber Luxair mit dem Urteil zu argumentieren und zu erklären, dass sie in keiner Weise vorhatten, das Tarifsystem auszunutzen.

Veronika Mauler, help.ORF.at

Mehr zum Thema:

25.06.2016