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italienisches Fahrverbotsschild "zona traffico limitato", roter Kreis auf weißer Tafel

Urlaubsfalle Fahrverbot in italienischen Städten

Ein kurzer Abstecher mit dem Auto in die Fahrverbotszonen von Rom, Florenz oder Arezzo kann zur teuren Urlaubsfalle werden. Oft übersehen Touristen die Hinweisschilder und bekommen Monate später Strafzettel aus Italien zugeschickt. So auch im Falle eines Grazer Autofahrers, der sich an help.ORF.at gewandt hat.

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Der Urlauber fuhr im April 2014 mit seinem Auto durch die Altstadt von Arezzo in der Toskana, ohne ein Hinweisschild auf ein Fahrverbot zu bemerken. Ein knappes Jahr später erhielt er per Post zwei Strafzettel der italienischen Polizei über jeweils 98,81 Euro, weil er eine Fahrverbotszone missachtet hatte.

Überweisungsfehler treibt die Strafe in die Höhe

Der Autofahrer bezahlte beide Strafen per Banküberweisung, wobei es zu einem Fehler kam, sodass eine Strafe offen blieb. Nach zwei Mahnungen stieg die Strafhöhe auf 222,37 Euro. Im Juni schaltete sich auch ein Kärntner Inkassobüro ein, das als Auftraggeber die italienische Polizei nannte und 300,46 Euro für die unbezahlte Strafe forderte, das Dreifache der urspünglichen Summe.

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Verkehrsstrafen: Inkassobüros nicht zuständig

Für die Rechtsberatung des ÖAMTC ist der Fall klar: Das Inkassobüro sei in diesem Fall nicht berechtigt, aktiv zu werden. "Inkassobüros können private Forderungen eintreiben, aber niemals Verkehrsstrafen", so ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. Für Verkehrsstrafen seien österreichische Behörden wie die Bezirkshauptmannschaften oder das Magistrat zuständig.

Der Grazer Urlauber solle keinesfalls Geld an das Käntner Inkassobüro überweisen, sondern rasch Kontakt mit der italienischen Polizei aufnehmen, um den Fehler aufzuklären und eine Strafminderung zu erwirken, rät der ÖAMTC. Am einfachsten sei das über die Telefonnummer und die Internetadresse, die auf dem Strafbescheid angegebenen sind. Sie führen zur Firma EMO in Florenz, die im Auftrag der italienischen Polizei Verkehrsstrafen eintreibt und auch Auskünfte in deutscher Sprache erteilt.

Die Tücken der "zona traffico limitato"

Beim ÖAMTC häufen sich die Anfragen von Italien-Urlaubern, die sich in eine verkehrsberuhigte Altstadt verirrt haben und Monate später kräftig zur Kasse gebeten werden. Wer beim Parkplatzsuchen in die „zona traffico limitato“ mehrmals hinein und wieder hinausfährt, erhalte für jeden Verstoß eine Strafe, warnt die Juristin. Unbefugtes Einfahren kostet mindestens 80 Euro Strafe.

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„Ich hatte schon Fälle, wo Leute sieben Strafen zu jeweils 100 Euro bekommen haben und geschockt waren, weil sie 700 Euro zahlen sollten", so Pronebner.

Strafzettel ignorieren kommt teuer

Verkehrsberuhigte Zonen gibt es inzwischen in den meisten italienischen Touristenstädten. Die Überwachung funktioniert mit Videokameras, die das Kennzeichen des Fahrzeugs registrieren. Urlauber, deren Unterkunft in einer verkehrsberuhigten Zone liegt, können eine befristete Einfahrtsgenehmigung bei der Polizei beantragen. Meist erledigt das das Hotel für die Gäste, aber auch hier empfiehlt die Juristin, Daten wie das Autokennzeichen genau zu überprüfen. Hotelrechnungen sollten als Nachweis für einen längeren Zeitraum aufgehoben werden, weil Strafbescheide oft erst ein knappes Jahr später zugestellt würden.

"Strafzettel aus Italien zu ignorieren oder wegzuwerfen, ist nicht zu empfehlen", so Pronebner. Innerhalb der EU seien Verkehrsstrafen vollstreckbar. Auch zwischen Italien und Österreich seien die rechtlichen Rahmenbedingungen jetzt so, dass Verkehrsstrafen eingetrieben werden könnten. Die Verjährungsfrist beträgt in Italien fünf Jahre. Urlauber, die die Geldbuße nicht bezahlt haben und vor Ablauf dieser Frist wieder mit dem Auto nach Italien fahren, müssen bei einer Verkehrskontrolle mit einer Verdoppelung der Strafe rechnen.

Karin Fischer, help.ORF.at

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02.07.2016