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Grazer Schülerin gewinnt VKI-Bewerb

Alljährlich veranstaltet der Verein für Konsumentenschutz (VKI) den Schülerwettbewerb "Jetzt teste ich". Die mit 1.500 Euro am höchsten dotierten Preise gab es in der Kategorie "Jugend und Geld", sie wurden von der Österreichischen Nationalbank gesponsert. Bei den 17- bis 20-Jährigen gewann dieses Jahr eine Schülerin aus Graz. Sie verglich die Preisentwicklung von Supermarktprodukten mit Bauernprodukten im Ab-Hof-Verkauf.

"Jetzt teste ich"

Sandra Flitsch aus der Bundeshandelsakademie Grazbachgasse in Graz ist die einzige Steirerin, die im Rahmen des Schülerwettbewerbs prämiert wurde und auch die einzige, die ihr Projekt nicht im Team, sondern allein durchgezogen hat - mehr dazu in VKI zeichnet beste Nachwuchstester aus.

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Die 18-Jährige, die sich selbst als ehrgeizig beschreibt, habe von Anfang an gewinnen wollen, sagt sie. Wichtig sei ihr gewesen, eine originelle Idee zu haben. Und diese kam dann auch: Preise von Supermarktprodukten und Bauernprodukte im Ab-Hof-Verkauf über einen längeren Zeitraum hinweg vergleichen. Inspirieren ließ sich Flitsch, die aus der 400-Einwohner-Gemeinde Edelstauden stammt, von ihrem näheren Umfeld: "Ich bin von bäuerlichen Direktvermarktern umgeben. Da habe ich mitbekommen, dass es den Kleinbauen derzeit nicht so gut geht, und sie wenig Gewinn machen", so Flitsch gegenüber help.ORF.at. Beim "Jetzt teste ich"-Wettbewerb des VKI reichte sie ihren Test in der Kategorie "Jungend und Geld" ein.

Hartwürste, Geselchtes, Eier, Brot, Kernöl

Über vier Monate lang, von November 2015 bis Februar dieses Jahres, besuchte die Schülerin alle zwei Wochen die Supermärkte Hofer, Spar, Merkur und Billa. Dabei erfasste sie die Preisentwicklung von Hartwürsten, Geselchtem, Eiern, Brot und Kernöl und verglich diese mit den Preisen derselben Produkte von fünf Bauern aus ihrer Umgebung im Ab-Hof-Verkauf. Bei Hartwürsten und Geselchtem schnitten die Supermärkte besser ab, Eier, Brot und Kernöl waren bei den Bauern günstiger. Flitsch war überrascht: "Ich dachte, die Bauernprodukte würden generell teurer sein. Das Ergebnis hat mich positiv überrascht."

Neben dem Preisvergleich, führte die Schülerin auch Interviews mit den fünf Bauern und rund 20 Konsumenten durch. Die Bauern fragte sie nach dem Konsumverhalten ihrer Kunden, sowie nach Lösungsstrategien, wie man künftig mehr Gewinne lukrieren könnte. Als hilfreich nannte man ihr Medienberichte, die auf ihre schwierige Lage hinweisen würden, sowie Mundpropaganda ihrer Kunden, die Produkte weiterempfehlen. Bei den Konsumenten wunderte sich Sandra Flitsch, wie viele angaben, auch Bauernprodukte zu kaufen. Diese würden durchwegs den Supermarktprodukten vorgezogen, da sie als qualitativ hochwertiger angesehen würden. Man sei deshalb auch bereit, gegebenenfalls einen höheren Preis zu zahlen. Als wichtig gaben die Leute auch an, zu wissen, woher das Produkt stammt.

Preisgeld von 1.500 Euro

Flitschs Betriebswirtschaftslehrerin Andrea Graf ist mit der Arbeit ihrer Schülerin, die sie das vergangene halbe Jahr begleitet hat, vollstens zufrieden: "Wenn man Schülerinnen wie die Sandra hat,dann ist das Leben herrlich. Sie arbeitet unglaublich selbständig, da wird man für die Mühen des Unterrichtens reichlich belohnt."

Flitschs Belohnung kam in Form des Sonderpreises "Jugend und Geld" der Österreichischen Nationalbank in der Höhe von 1.500 Euro. Für eine Schülerin auch monitär ein hoher Gewinn: "Ich werde das Geld gut anlegen und sparen. Ich habe vor, Betriebswirtschaft zu studieren, da kann ich das Geld gut gebrauchen", sagt sie.

Zunächst einmal wird Sandra Flitsch aber nächstes Jahr maturieren und ihre Diplomarbeit schreiben. Schon jetzt steht fest, dass der Themenkomplex derselbe sein wird. Für ihrerLehrerin Graf ist das ein Beweis für den Mehrwert solcher Projekte. "Man sieht, dass solche Inhalte den Schülern nicht so fern sind, wie man immer glaubt. Mündige Jugendliche machen sich sehr wohl Gedanken darüber, was sich in der Welt abspielt, und eben auch wie Kleinbauern überleben können. Es stimmt nicht, dass sie nur 'Bauer sucht Frau' schauen", so Graf.

Jonathan Scheucher, help.ORF.at

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02.07.2016