Standort: help.ORF.at / Meldung: "Urteil: Check24 muss Kunden besser informieren "

Ausschnitt aus der Homepage von check24.de

Urteil: Check24 muss Kunden besser informieren

Das Landgericht München hat dem Preisvergleichsportal Check24 größere Transparenz für seine Nutzer verordnet. Das Münchner Internet-Unternehmen muss künftig bei der Vermittlung von Versicherungsverträgen deutlich darüber informieren, dass es als Versicherungsmakler agiert und Provisionen kassiert.

Makler

Die Informationen müssten dem Nutzer so präsentiert werden, "dass er nicht erst danach suchen muss", schrieb Richterin Clementi in ihrer Pressemitteilung zu dem Fall. Sie verkündete das Urteil nach einem mehrmonatigen Zivilprozess am Mittwoch.

Geklagt hatte der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, der 11.000 Versicherungsmakler vertritt und Check24 unlauteren Wettbewerb vorwarf. Verbandspräsident Michael Heinz erklärte das Urteil anschließend zum "Sieg für den Verbraucherschutz". Die Versicherungskaufleute erwarten nun, dass auch die restlichen Vergleichsportale die Vorgaben des Urteils umsetzen.

Betreiber: "Können mit Urteil leben"

Doch gaben die Richter den Klägern keineswegs in allen Punkten recht. Die Versicherungsvertreter hatten in ihrer Klage so scharfe Vorgaben für die Online-Beratung gefordert, dass das Internet-Geschäft mit Versicherungen bei einem vollständigen Sieg sehr erschwert worden wäre. Doch das Check24-Geschäftsmodell werde durch das Urteil nicht im Grundsatz gefährdet, sagte Christoph Röttele, der Geschäftsführer des Internetportals. "Wir können mit dem Urteil leben." Beide Seiten wollen aber in den kommenden Wochen prüfen, ob sie gegebenenfalls in Berufung gehen.

Offenlegungspflicht auch in Ö anzunehmen

"Eine Pflicht zur Offenlegung, dass es sich bei einem Portal nicht nur um ein Vergleichsportal, sondern letztlich auch um einen Versicherungsvermittler handelt, wird man auch für Österreich annehmen müssen", so Thomas Hirmke vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). So haben in Österreich etwa Versicherungsvermittler im Geschäftsverkehr nach den gesetzlichen Vorgaben als solche aufzutreten. Für Verbraucher sei das wesentlich, denn dadurch werde klar, dass Vergleichsportale Provisionen vom vermittelten Anbieter erhalten und damit auch ein wesentliches wirtschaftliches Interesse mitspielt, so Hirmke.

Das Geschäft mit dem Preisverlgeich

Preisvergleichsportale im Netz schließen meistens Verträge mit den Unternehmen, deren Produkte sie anbieten, ab. Für jeden Kunden, den ein Portal vermittelt, müssen diese Firmen Provision zahlen. Wie hoch diese Provisionen sind, bleibt Betriebsgeheimnis. Gegen Forderungen aus der Politik, die Portale zur Offenlegung ihrer Gewinnbeteiligung zu verpflichten, wehrt sich Check24-Firmengründer Henrich Blase. Im Geschäftsleben sei das völlig untypisch. "Kein Autohändler oder kein Reisebüro macht das."

1999 mit nur wenigen Mitarbeitern gegründet, ist Check24 mit 800 Beschäftigten nach eigenen Angaben der mittlerweile größte Anbieter von Preisvergleichen in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2014/15 wuchs der Umsatz um 60 Prozent auf 330 Millionen Euro. Vor allem das Geschäft mit Reisen, Krediten, Strom-und Gastarifen sowie Autoversicherungen legte stark zu. Angaben zum Gewinn macht die Firma mit Hauptsitz in München nicht. 2015 stieg Check24 auch in das Geschäft mit Baufinanzierungen ein.

Nicht immer der günstigste Preis

Verbraucherschützer kritisieren aber nicht nur den vermeintlich neutralen Auftritt der Vergleichsportale, sondern auch, dass die Vergleichsportale nicht immer den günstigsten Preis anzeigen. Im Rahmen einer Studie mehrerer deutscher Verbraucherzentralen
fanden die Verbraucherschützer auf den Internetseiten der einzelnen Anbieter teilweise günstigere Preise als über die Portale. 

Das gilt besonders für Handy- und Online-Tarife: Dort waren 50 Prozent der angezeigten Preise auf den Portalen höher als bei den Telekommunikationsfirmen selbst. Auch bei Flugpreisen schnitten die Portale schlecht ab. Check24 warf den Verbraucherzentralen methodische Mängel vor. Teilweise seien Äpfel mit Birnen verglichen worden.

Mehr zum Thema:

13.07.2016