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Euromünzen und Euroscheine

Bonität: Ärger mit fehlerhaften Einträgen

Viele Konsumenten wissen gar nicht, welche Daten über ihre Bonität bei Kreditauskunfteien gespeichert sind. Erst wenn es mit dem neuen Handyvertrag oder dem Kredit nicht klappt, erfahren sie von den negativen Einträgen. Im schlimmsten Fall sind diese Angaben auch noch fehlerhaft, wie bei einem Wiener, der sich an help.ORF.at gewandt hat.

Wirtschaft

Kreditauskunfteien sammeln Informationen über die Zahlungsfähigkeit von Privatpersonen und verkaufen sie an Unternehmen weiter. So auch im Fall eines Wieners, der zum Strom- und Gasanbieter Maxenergy wechseln wollte. Erst als die Firma seinen Antrag nicht bearbeitete, fand er heraus, dass die Wirtschaftsauskunftei Crif fehlerhafte Daten über ihn an Maxenergy weitergeleitet hatte.

Kostenlose Selbstauskunft einmal im Jahr

Sendungshinweis:

"Help", das Ö1-Konsumenten- magazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Österreich 1

Dabei ist es offenbar zu einer Verwechslung mit einer namensgleichen Person gekommen, die ein ähnliches Geburtsdatum hat. Eine Selbstauskunft, die man einmal im Jahr bei Wirtschaftsauskunfteien kostenlos anfordern kann, brachte rasch Klarheit. Die fehlerhaften Angaben bei Crif löschen zu lassen, war schwieriger.

Telefonisch erhielt der Konsument keine Auskünfte bei Crif, erst per mail klappte die Kontaktaufnahme und der Fall wurde überprüft. Ende Juni teilte ihm Crif schließlich mit, dass die Informationen über ihn "bereinigt" worden seien und man das auch an Maxenergy weitergegeben habe.

Einsprüche bei Auskunftsdiensten nur schriftlich

Der Auskunftsdienst Crif schreibt in einer Stellungnahme gegenüber help.ORF.at, dass die Daten laufend überprüft würden, weil falsche oder veraltete Daten auch nicht im Sinne der Auftraggeber seien. "Wie liefern zu jeder Personenauskunft Informationen zu Geburtsdatum als auch Adresse mit, wodurch Verwechslungen ausgeschlossen werden können", so Crif. Telefonische Auskünfte ohne Nachweis der Identität gebe man aus Datenschutzgründen nicht. Mitarbeiter würden aber gelegentlich offene Fragen auch am Telefon besprechen, wenn die Fallnummer bekannt sei.

Bei Arge Daten, einem gemeinnützigen Verein zum Schutz der Privatsphäre, häufen sich inzwischen die Beschwerden über Kreditauskunfteien. Im vorliegenden Fall sei bei Crif ein krasser Fehler passiert, meint Rechtsanwalt Michael Krenn, Vorstandsmitglied bei Arge Daten. "Hier hätte ein Blick genügt, um zu sehen, dass das Geburtsdatum nicht hierhergehört", so Krenn.

Arge Daten fordert Bagatellgrenze

Kritik übt der Datenschutz-Anwalt auch an der Höhe der angeblich offenen Forderungen, die zur schlechten Kreditwürdigkeit des Wieners geführt haben. Im vorliegenden Fall gehe es um eine Summe von insgesamt 400 Euro an Schulden, wobei nur bei einer einzigen Forderung über 118 Euro ein Gericht festgestellt habe, dass diese zurecht besteht. Die anderen Einträge seien Meldungen an Inkassobüros, die nicht überprüft seien. Das verstoße gegen die Sorgfaltspflicht, so Krenn.

Arge Daten fordert seit langem eine bessere gesetzliche Regelung darüber, was Kreditauskünfteien dürfen. Offene Forderungen sollten erst ab einer gewissen Bagatellgrenze zur Bewertung der Bonität herangezogen werden und auch nur dann, wenn sie von einem Gericht bestätigt sind. Getilgte Schulden, die viele Jahre zurückliegen, sollte man löschen lassen können.

Schadenersatz bei fehlerhaften Einträgen

Ist ein Eintrag auf diesen "Schwarzen Listen" falsch, so muss der Auskunftsdienst das auf jeden Fall richtigstellen oder löschen, so Krenn. Den gesamten Eintrag über die eigene Person löschen zu lassen und für ein "reines Register" zu sorgen sei aber keine gute Idee. Manche Firmen würden es als negative Bonität werten, wenn sie eine Person nicht im Register der Kreditauskunftsdienste finden. Absurderweise gebe es dann den Handyvertrag oder Kredit erst recht nicht.

Ist durch eine fehlerhafte Bonitätsbewertung ein Schaden entstanden, etwa ein verzögerter Wechsel zum günstigeren Stromanbieter, könne man diesen Schaden direkt bei der Auskunftei geltend machen oder notfalls einklagen. Auch für den immateriellen Schaden an Ruf und Ansehen stünde Verbrauchern eine Entschädigung zu. "Das sind in der Regel ein paar hundert Euro. Das ist auch schon passiert“, so Krenn. Bei Problemen helfen die Datenschutzbehörde und Arge Daten weiter.

Karin Fischer, help.ORF.at

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16.07.2016