Standort: help.ORF.at / Meldung: "Neue VOR-Tarife: Rückerstattung bei Härtefällen"

eine ÖBB-Lokomotive steht am Bahnsteig auf dem Wiener Westbahnhof

Neue VOR-Tarife: Rückerstattung bei Härtefällen

Seit 6.Juli ist im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) ein neues Tarifsystem in Kraft. Damit gilt erstmals ein einheitlicher Tarif bei öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Erste Erfahrungen zeigen, dass einige Strecken teurer geworden sind. In Härtefällen bekommen Fahrgäste aber einen Teil des Geld zurück.

Verkehr

Die neuen VOR-Tarife gelten für 900 Linien, die mehr als ein Viertel der Fläche Österreichs abdecken. Dafür wurden zwei bestehende Verkehrsverbünde, der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) und der Verkehrsverbund Niederösterreich-Burgenland (VVNB) zusammengeschlossen.

Einzelne Jahreskarten um 75 Prozent teurer

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Durch den Wegfall der früheren Zonengrenzen im VOR sind einige Strecken erheblich teurer geworden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat errechnet, dass die Jahreskarte von Auersthal in Niederösterreich nach Wien Floridsdorf im neuen Tarifsystem um 75 Prozent mehr kostet, die Jahreskarte von Mödling nach Wien-Hauptbahnhof (ohne Kernzone) um 30 Prozent. Für die Jahreskarte von Münchendorf im Süden Wiens nach Wien-Meidling sind nun 700 Euro statt 415 Euro zu bezahlen. Die Jahreskarte von Greifenstein zum Bahnhof Tullerfeld kostet um 437 Euro mehr.

Ticketautomaten von ÖBB und VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) im Banhof Wien Meidling
Die Preise für einige Strecke sind im neuen VOR-Tarifsystem gestiegen

VOR-Sprecher Georg Huemer bezeichnet die Verteuerung von Greifenstein nach Tullernfeld als "Geisterbeispiel". Die Strecke sei kaum genützt, es gebe dort keinen einzigen Fahrgast mit einer Zeitkarte. Bei 80 Prozent der Strecken sei der Preis gleich geblieben, in zehn Prozent der Fälle sogar billiger geworden. "Es gibt aber nicht nur Gewinner im neuen System, sondern auch Verlierer", so Huemer. Früher hätten Fahrgäste auf bestimmten Strecken von einer ungerechten Zonenaufteilung profitiert. Das neue Tarifsystem sei gerechter, einfacher und transparenter.

AK verlangt Nachbesserungen

Der VOR bietet Kunden an, bestehende Jahreskarten, die billiger sind, bis zum Ende ihrer Gültigkeitsdauer zu nutzen. Für Jahreskarten, die um mehr als 120 Euro teurer werden, bekommen Fahrgäste den Differenzbetrag zurückerstattet: Im ersten Jahr zu 100 Prozent, im zweiten Jahr zu 50 Prozent.

Der Arbeiterkammer geht diese Abfederung von Härtefällen nicht weit genug. Es könne nicht sein, dass Fahrgäste im dritten Jahr mit diesen Preiserhöhungen alleine blieben, so AK-Verkehrsexpertin Doris Unfried gegenüber help.ORF.at. "Wir befürchten, dass viele wieder auf das Auto umsteigen werden", so Unfried. Viele Fahrgäste hätten sich beschwert, dass die Preisberechnung nicht nachvollziehbar sei.

Zusatzleistungen, die keiner braucht?

Wochen-, Monats- und Jahreskarten gelten im neuen VOR-Tarif für alle Verbindungen auf der gewählten Strecke. Außer in Wien kann man auch die Busse im jeweiligen Stadt- oder Ortsverkehr mitbenutzen, etwa in St.Pölten oder in Wiener Neustadt. "Das ist ein großer Bonus", so VOR-Sprecher Huemer.

Der VOR versuche damit, Verteuerungen mit Zusatzangeboten klein zu reden, die keiner bestellt hat, meint hingegen der VKI. Pendler würden sich beschweren, dass sie nun für Buslinien im Stadtverkehr mitzahlen müßten, die sie gar nicht brauchen würden.

VOR: Mehr Kundenservice im August

Im neuen Tarfsystem gibt es auch keine übertragbare Jahreskarte mehr. Streifenkarten zur Selbstentwertung sind abgeschafft, Einzel- oder Tageskarten sind nur noch am Automaten oder online erhältlich.

Da ab 1.August erstmals Monatskarten im neuen Tarifsystem ausgegeben werden, verstärkt der VOR sein Serviceangebot bei der Kundenhotline (0810 22 23 24)und an den Informationsschaltern. Bis Fahrgäste sowie Bahn- und Buspersonal mit dem neuen Tarifen vertraut sind, gilt im August Kulanz bei Kontrollen. Nach einem halben Jahr wird das neue Tarifsystem evaluiert.

Karin Fischer, help.ORF.at

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30.07.2016